26. April - die Katastrophe von Tschernobyl

Nahe der ukrainischen Stadt Prypjat ereignet sich mit der Katastrophe von Tschernobyl der schwerste auslegungsüberschreitende Störfall (auch als Super-GAU bezeichnet) in der zivilen Nutzung der Kernenergie.

Von der Reaktorkatastrophe 1986 bis zur Abschaltung des letzten Blocks im Jahre 2000 arbeiteten bis zu 9.000 Menschen im Kraftwerk. 2006 waren noch ungefähr 3.000 Personen mit Überwachungs- und Wartungsarbeiten beschäftigt. Das Kraftwerk, obwohl stillgelegt, ist somit bei weitem nicht verwaist. Bis 1986 kamen die meisten Arbeiter aus der eigens für das Kraftwerk erbauten Siedlung Prypjat. Da Prypjat nach der Reaktorkatastrophe evakuiert wurde, kommen heute die meisten Arbeiter aus Slawutytsch, der nach der Katastrophe erbauten Ersatzstadt für Prypjat. Ab 1986 war die Arbeit - trotz sehr hoher Strahlenbelastung - vergleichsweise attraktiv: Einerseits durch eine äußerst gute Bezahlung, andererseits durch den 2-Wochen-Zyklus: 2 Wochen (normale) Arbeitszeit, 2 Wochen frei.

Prypjat ist heute eine Geisterstadt in der Oblast Kiew (Rayon Tschernobyl) in der Ukraine, die 1970 im Zusammenhang mit dem Bau des Kernkraftwerks Tschernobyl gegründet und infolge des Reaktorunglücks von 1986 geräumt wurde. Zum Zeitpunkt der Katastrophe am 26. April 1986 wohnten hier etwa 48.000 Menschen, die meisten von ihnen Arbeiter im Kernkraftwerk.

Die kontaminierte Zone wird bis heute von der Miliz bewacht, nur wenige Menschen wohnen noch im Gebiet rund um den Reaktor. Die meisten von ihnen sind Armeeangehörige, Wissenschaftler oder Illegale, die jedoch zumeist geduldet werden. Im Rahmen geführter Touren durch das Kernkraftwerk kann heute auch Prypjat besichtigt werden, da die Hauptstraßen dekontaminiert wurden. Die übrigen Gebiete der Stadt sollten jedoch nicht betreten werden

Nach der Katastrophe hatten hunderttausende Helfer, so genannte Liquidatoren, einen Sarkophag - einen provisorischen Betonmantel - um den explodierten Reaktor errichtet. Da dieser an vielen Stellen gerissen war und einzustürzen drohte, wurde mit ausländischer Finanzhilfe eine neue Schutzhülle gebaut.

Im sowjetischen Fernsehen wird am 29. April erstmals ein Foto vom Unglücksort gezeigt, das aber retuschiert wurde. Auch die ARD-Nachrichtensendung Tagesschau zeigte erstmals am 30. April 1986 das von den sowjetischen Behörden bearbeitete Foto. Der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion erklärte:

"Wenn wir die Öffentlichkeit informieren, sollten wir sagen, dass das Kernkraftwerk gerade renoviert wurde, damit kein schlechtes Licht auf unsere Ausrüstung geworfen wird."


Michail Gorbatschow, auf der nichtöffentlichen Sitzung des ZK der KPdSU am 29. April 1986


Erst am 5. Mai 1986 nimmt Gorbatschow im sowjetischen Fernsehen Stellung zum Reaktorunglück in Tschernobyl.

Im Frühjahr und Sommer 1986 wurden etwa 116.000 Personen aus der 30 Kilometer-Zone rund um den Reaktor evakuiert. Später wurden zirka 240.000 weitere Personen umgesiedelt.

Der Unfall führte bei einer nicht genau bekannten Zahl von Menschen zum Tod. Bei vielen Erkrankungen wird die Strahlung als mögliche Ursache angesehen. Dazu kommen psychische, soziale, ökologische und ökonomische Schäden. Über die zu erwartenden Langzeitfolgen besteht seit Jahren ein Streit auch unter Wissenschaftlern.