22. Juni - der Überfall

In den frühen Morgenstunden des 22. Juni 1941 begann der Vormarsch von 121 deutschen Divisionen auf einer 2130 km breiten Front zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, aufgeteilt auf drei Heeresgruppen (Süd, Mitte und Nord). Zwei Armeen der rumänischen Streitkräfte beteiligten sich am Angriff. Die Invasionsstreitmacht bestand aus drei Millionen deutschen Soldaten sowie weiteren 600.000 Soldaten aus Italien, Ungarn, Finnland, Rumänien und der Slowakei, 600.000 Kraftwagen, 625.000 Pferden, 3350 Panzern, 7300 Geschützen und rund 2000 Flugzeugen.

Das NS-Regime hatte diesen Angriffskrieg im Juli 1940 beschlossen und seit Dezember 1940 unter dem Decknamen „Unternehmen Barbarossa“ als Vernichtungskrieg vorbereitet. Um für die „arische Herrenrasse“ „Lebensraum im Osten“ zu erobern und den „jüdischen Bolschewismus“ zu vernichten, sollten große Teile der sowjetischen Bevölkerung vertrieben, versklavt oder getötet werden. Die deutsche Staats- und Wehrmachtsführung nahm den millionenfachen Hungertod sowjetischer Kriegsgefangener und Zivilisten bewusst in Kauf, ließ sowjetische Offiziere und Kommissare aufgrund völkerrechtswidriger Befehle ermorden und nutzte diesen Krieg, um den Holocaust an den europäischen Juden in Gang zu setzen.
 
Nach Angaben von Christian Gerlach ermordeten die deutsche Wehrmacht und die SS allein in Weißrussland bei Massakern gegen die Zivilbevölkerung 345.000 Menschen, dabei waren die Opfer meist Frauen und Kinder, denn die Männer waren bei der Roten Armee oder bei den Partisanen. In der Regel wurden dabei die Menschen in großen Gebäuden wie Scheunen zusammengetrieben und mit Maschinenpistolen oder Maschinengewehren erschossen. Danach wurden, obwohl viele noch lebten, die Gebäude abgebrannt. So starben beispielsweise in Oktjabrski bei einem solchen Massaker 190 Menschen. Anschließend wurden alle Häuser des Dorfes angezündet. In Weißrussland wurden auf diese Weise 628 Dörfer vollständig zerstört, in der Ukraine waren es 250.
 
Da Partisanen nicht als Kombattanten im Sinne der Haager Landkriegsordnung galten, wurden sie nicht als Kriegsgefangene behandelt. Gefangene Partisanen oder als Partisanen Verdächtige wurden hingerichtet. Häufig folgten Partisanenangriffen brutale Bestrafungsaktionen, sogenannte „Sühnemaßnahmen“, gegen die Zivilbevölkerung. Gegen Ende des Krieges konnten die Partisanen größere Gebiete von den deutschen Besatzern befreien. Unter dem Tarnmantel der sogenannten Partisanenbekämpfung wurden auch unter Einbeziehung von Wehrmachtsangehörigen gleich weitere unliebsame Personen liquidiert.
 
Die Sowjetunion hat die meisten Opfer des Zweiten Weltkrieges zu beklagen. Die Opferzahlen schwanken erheblich. Im Ploetz Geschichte des Zweiten Weltkrieges werden die militärischen Verluste mit 13,6 Mio. und die Zivilopfer mit 7 Mio. Menschen beziffert, also rund 10 % der Bevölkerung. Von über 40 Mio. Todesopfern, darunter etwa 17 Mio. Zivilisten, schreibt B.W. Sokolow. Diese Anzahl entsprach einem Sechstel der sowjetischen Bevölkerung. Der Spiegel zitiert eine Schätzung von rund 25 Millionen Toten aus Russland, also 14,2 Prozent der russischen Bevölkerung.
 
Die Anzahl der deutschen Gefallenen an der Ostfront war dreimal so groß wie an der Westfront. Die Gesamtzahl der Toten aller beteiligten Länder lag in einem Bereich um 37 Millionen Opfern.