Auszeichnungen und Preise

Ordensverleihung zum Tag der Deutschen Einheit - 03. Oktober 2015

Bundespräsident Joachim Gauck zeichnet am 1. Oktober 32 Bürgerinnen und Bürger für ihr herausragendes Engagement mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus. Die 15 Frauen und 17 Männer zeigen die Bandbreite des gesellschaftlichen Engagements in der Bundesrepublik und deren Bedeutung für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Zu den Geehrten gehören Aktive, die sich in der humanitären Hilfe, der Flüchtlingshilfe, im Gedenken an Krieg und Diktatur, in der Demokratiebewegung in der DDR und um das Zusammenwachsen von Ost und West besonders verdient gemacht haben.

Ulrike Jaeger, Bünde
Verdienstkreuz am Bande


Seit zwanzig Jahren engagiert sich Ulrike Jaeger im Verein Heim-statt Tschernobyl, der Familien beim Bau eines neuen Zuhauses tatkräftig unterstützt, die auch heute noch in den durch die Reaktorkatastrophe verstrahlten Gebieten leben. Um zudem die Lebenssituation von hilfsbedürftigen alten Menschen zu verbessern, hat sie das Internationale Jugendworkcamp Belarus gegründet, eine Initiative, bei der jedes Jahr junge Menschen aus Deutschland und Weißrussland gemeinsam während der Sommerferien deren Wohnhäuser renovieren. Dabei vermittelt Ulrike Jaeger den deutschen Jugendlichen auch die geschichtlichen Hintergründe Weißrusslands - insbesondere die Besatzung durch die Nationalsozialisten - und vereinbart Treffen mit Zeitzeugen und Überlebenden des Holocaust. Für die weißrussischen Jugendlichen organisiert Ulrike Jaeger stets eine "Rückbegegnung" in Deutschland.

Bildnachweis „Bundesregierung/Sebastian Bolesch“

Ansprache des Bundespräsidenten Joachim Gauck

Vielleicht ahnen Sie, warum ich Ordensverleihungen immer von der ersten bis zur letzten Minute genieße. Schon die musikalische Umrahmung ist wunderbar, auch heute wieder eine reine Freude. Herzlichen Dank an unsere beiden Musiker: Daniel Hope - Geige - und Sebastian Knauer am Klavier!

Ein schöner Rahmen für ein schönes Bild. Dieses Bild verdanken wir Ihnen, liebe Ehrengäste. Sie sind es nämlich, die heute sichtbar machen, wovon unser Land im Tiefsten lebt, was es ausmacht, was es vorwärtsbringt, und was es zusammenhält.

Sie - fünfzehn Frauen und siebzehn Männer - bekommen gleich einen Orden, so sagt man. Das ist eine traditionsreiche, greifbare Form der Anerkennung. Vor allem: ein Dankeschön, das lange nachwirken soll. Ein Dank dafür, dass Sie sich seit vielen Jahren, oft Jahrzehnten um unser Land, um seine Menschen, seine Kultur, seine Wissenschaft und sein soziales Gefüge verdient machen.

Ja, ich weiß es: Sie tun all das nicht, um einen Orden an der Brust zu tragen. Sie tun, was Sie tun, weil Sie es für selbstverständlich halten. Ja, buchstäblich: selbstverständlich. Es gehört zu Ihrem Selbstverständnis, Außergewöhnliches zu leisten. Viele sagen, sie hätten einfach das Naheliegende getan, andere, sie hätten einfach nur geholfen, ohne dabei etwas Außergewöhnliches gewollt zu haben. Aber anderen Menschen in Ihrer Nähe ist eben doch aufgefallen, dass Sie etwas Besonderes geleistet haben. Das imponiert mir. Und wie Sie ahnen, stehe ich mit dieser Meinung nicht allein. Dieser Orden ist ja eine hochoffizielle Angelegenheit.

Wenn der Staat einen Orden verleiht, dann nicht nur in Anerkennung der persönlichen Verdienste, sondern auch mit der Hoffnung - ja, auch ein Staat kann hoffen -, dass eine solche Wertschätzung auf andere Menschen ausstrahlt. Sie alle hier zeichnet aus, dass Sie Herausragendes leisten. Ihr Engagement sagt uns: Man kann etwas Besonderes bewegen, man kann etwas tun für andere, kann sich einmischen, sich die Freiheit nehmen, die Welt zum Besseren zu verändern. Ohne diese besondere Idee, diese besondere Begabung, diese besondere Tat wäre unser Land ärmer. Ihr Schaffen kann - ich finde: sollte - eine Inspiration für möglichst viele sein.

Also, liebe Vorbilder, ich freue mich sehr, Sie hier live und in Farbe vor mir zu sehen: eine wahrhaftig bunte Mischung von Biographien, manche sind sehr berühmt, manche weniger; aber Sie alle werden gleich einen Orden tragen, der keine Unterschiede macht zwischen bekannten und unbekannten Gesichtern. Im Gegenteil, dieser Orden steht gerade für das, was uns verbindet und was uns als Gesellschaft stark macht.

Die heutige Namensliste ist wirklich beeindruckend. Lassen Sie mich mit den Menschen beginnen, an die wir in diesen Tagen besonders oft und intensiv denken: Frauen und Männer, die sich um die Deutsche Einheit verdient gemacht haben - in den Schlüsseljahren 1989/90, aber auch schon deutlich davor und noch deutlich danach, in jüngerer Zeit bis in den Deutschen Ethikrat und bis ins Europäische Parlament hinein.

Viele von Ihnen, fast ein Drittel unserer heutigen Ehrengäste, waren bereits zu DDR-Zeiten im Umfeld der Kirchen, in der Friedens- oder Umweltbewegung aktiv. Sie haben unerwünschte Lieder gesungen, unerwünschte Filme gezeigt, unerwünschte Flugblätter gedruckt - vor allem: unerwünschte Fragen gestellt und damit für sich und Ihre Familien viel riskiert. Doch trotz aller Repressalien oder sogar Verhaftung haben Sie nicht klein beigegeben. Dieser Mut und dieses Durchhaltevermögen beeindrucken bis heute. Ich bin dankbar, dass gerade Sie - die Bürgerbewegten - nicht müde werden zu erzählen, was Sie erlebt und wofür Sie gekämpft haben, und dass Sie bis heute so leidenschaftlich für unsere Demokratie eintreten.

Ihre Freiheitsliebe, Ihr Mut und Ihre Tatkraft sind eine sehr wesentliche Verschönerung und Bereicherung des Bildes, das die Bundesrepublik Deutschland abgibt. Unser Land braucht Sie auch weiterhin. Denn inzwischen ist ja eine Generation herangewachsen, der kaum noch präsent ist, welches Unrecht das DDR-Regime an Orten wie Bautzen oder Torgau begangen hat. Umso mehr brauchen wir die Zeitzeugenberichte und die authentischen Erinnerungsorte, den Bogen von damals bis in die Gegenwart.

Großen Dank an Sie, meine Damen und Herren, dass Sie sich für dieses wichtige Stück deutscher Aufarbeitung, auch für das Zusammenwachsen unseres Landes - im Sinne von Ost und West und im Sinne der Generationen - so intensiv engagieren!

Wir alle wissen: Diese Arbeit darf nicht aufhören, auch nicht mit Blick auf die länger zurückliegende deutsche Diktatur und ihre Opfer. Wenn ich heute Menschen auszeichne, die gemeinsam mit jungen Leuten nachfragen, nachforschen, nachhalten, dann ausdrücklich auch deshalb, weil die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus an unseren Schulen nicht verblassen darf. Jeder Jahrgang muss aufs Neue damit konfrontiert werden. Und zeitgemäß. Es macht ja durchaus einen Unterschied, ob man - wie vor zwanzig Jahren - eine Schulklasse vor sich hat, in der fast alle Kinder die Kriegs- und Nachkriegsgeschichten ihrer Großeltern kennen, oder ob diese Erinnerung fast gänzlich fehlt. In Familien mit Migrationshintergrund wird sie von anderen Erzählungen zuweilen völlig überlagert.

Migrationshintergrund: Dieses Wort - so sperrig es ist - spielt seit langem auch bei Ordensverleihungen eine Rolle. Als wir die heutigen Ehrengäste eingeladen haben, war noch nicht klar, wie besonders aktuell - ja akut - einige ihrer Verdienste sein würden. Ich spreche von all denen hier im Saal, die Asylsuchenden helfen. Und jenen, die auch später noch unterstützen, wenn Neubürger Orientierung im deutschen Alltag suchen.

Diese Integrationsarbeit wird in den nächsten Monaten und Jahren maßgeblich mit darüber entscheiden, wie gut und gedeihlich, wie freundlich und friedlich unser Land sich entwickelt. Deshalb meine Bitte: Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Ihre Motivation mit möglichst vielen Menschen. Deutschland braucht Brückenbauer wie Sie mehr denn je!

Beim Wort ‚Brückenbauer' muss ich auch an diejenigen aus Ihrem Kreis denken, die mit den Mitteln der Kunst - mit Musik, Text und Bild - gesellschaftliche Ereignisse, unsere Hoffnungen wie unsere Sorgen begleiten. Da ist die Schauspielerin, die uns so unnachahmlich zum Lachen und zum Weinen bringt. Die Theaterregisseurin, die für ihre Inszenierungen so oft gelobt wurde wie nur wenige ihres Fachs. Der Kunsthistoriker, dem es gelingt, Geistes- und Naturwissenschaften füreinander zu öffnen. Der Dokumentarfilmer, der uns grüne Schätze von Gotha bis zum Yukon River nahebringt. Der ungarische Schriftsteller und der italienische Germanist, die uns mit Worten faszinieren. Und nicht zuletzt der Musiker, der mit seinen Melodien Problemkieze in Konzertkieze verwandelt.

Wir werden gleich mehr über jede und jeden Einzelnen hören. Über haupt- und ehrenamtliche gute Taten. Über Geschichten, die berühren. Dabei denke ich besonders an unsere Gäste, die sich für Kinder einsetzen, um seltene Krankheiten zu überwinden, oder weil die Kleinen - fernab von europäischem Wohlstand - in großer Armut leben müssen. Auch für dieses Engagement: Großen Dank!

So viel fast unerschöpfliche Energie, so viel Exzellenz in einem Saal! Das gilt für den Meeresforscher, der den größten aller Lebensräume unseres Planeten erforscht, einen Bereich, über den wir immer noch verhältnismäßig wenig wissen. Und das gilt für den Theologen, genauso für den Juristen, der gleich einen Orden erhält. Bei allen dreien passt das schöne Kompliment: Meine Herren, Sie haben uns neue Tiefen eröffnet!

Ich freue mich sehr darauf, hier vorn gleich 32 Mal zu gratulieren. Und ich gratuliere noch jemandem: der Bundesrepublik Deutschland, weil sie solche Menschen in ihrer Mitte hat, Menschen, deren Hingabe und Leistungsbereitschaft sie zu einer ganz besonderen Auszeichnung geführt haben - zum Orden für die Hochverdienten.

Herzlichen Glückwunsch!

2014 Waltraud-Netzer-Jugendpreis

Waltraud-Netzer-Jugendpreis: Internationales Jugendworkcamp „Belarus“ der Evangelischen Jugend Bünde-Ost für Engagement zur Völkerverständigung geehrt

22.11.2014. Das internationale Jugendworkcamp „Belarus“ ist am Samstagabend in Leipzig mit dem Waltraud-Netzer-Jugendpreis der Vereinigung Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. ausgezeichnet worden. Damit würdigt der Verein den Einsatz junger Menschen der Evangelischen Jugend Bünde-Ost, die sich für die Verständigung zwischen Deutschen und Weißrussen engagieren.

Christoph Heubner, geschäftsführender Vizevorsitzender des Internationalen Auschwitzkomitees, sagte in seiner Laudatio: „In dem Projekt helfen deutsche Jugendliche alten Menschen auf dem Land in Weißrussland, die Deutschland vorher vor allem mit Feuer und Schwert, Tod und Zerstörung in Verbindung gebracht haben.“ Heubner würdigte die Arbeit der Projektleiterin Ulrike Jaeger, die den Jugendlichen über die Begegnungen mit Opfern des deutschen Vernichtungskriegs viel Wissen zugänglich macht, und gleichzeitig den alten Menschen ermöglicht, ihr Herz zu öffnen.

Die Workcamps finden seit 1996 jährlich in Weißrussland statt. Die deutschen Mädchen und Jungen renovieren und erneuern alte Häuser und helfen so ganz konkret hilfsbedürftigen Menschen. Dabei geht es um Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs, die niemanden mehr haben, der sich um sie kümmert, und auch um Betroffene, die aus den Gebieten um Tschernobyl umsiedeln mussten. Projektleiterin Ulrike Jaeger: „Die Jugendlichen haben bisher 130 Menschen zwischen 70 und 100 Jahren ein schöneres Wohnen ermöglicht.“ Beide Seiten würden sich durch diese Begegnungen verändern. Ulrike Jaeger: „Wenn wir zurück fahren, sind wir oft die Beschenkten.“ Den Preis empfindet sie als Ehre und Ermunterung. Sie betonte, dass es in jedem Jahr mit großen Mühen verbunden ist, die Jugendcamps zu finanzieren.

Der von Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. vergebene Waltraud-Netzer-Jugendpreis ist mit 1.500 Euro dotiert und zeichnet seit 2010 Jugendprojekte aus, die sich aktiv mit der Vergangenheit auseinandersetzen und/ oder die Entwicklung einer lebendigen Demokratie befördern. Bisherige Preisträger: 2010 die Junge AG der Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau, 2011 das Theaterprojekt „Mölln nach Mölln“ des Trägers Miteinander leben e.V., 2013 WorldCitizen e.V., 2014 ein Begegnungsprojekt für Schüler in Athen, Distomo und Kalavryta.

2014 Urkunde SOS Kinderdorfstiftung Weisrussland

2014 Deutscher Engagementpreis

2008 Stiftung Filippas Engel

"WER ETWAS BESONDERES ERLEBEN WILL, MUSS AUCH BEREIT SEIN, ETWAS BESONDERES ZU TUN !"

Für Ihre langjährige kontinuierliche Arbeit erhielten die Jugendlichen unter der Leitung von Ulrike Jaeger, am 26. 09. 2008 den renommierten Preis der
Stiftung Filippas Engel.

Auszug aus der Laudatio:

Die evangelische Jugendregion Bünde-Ost organisiert jährlich ein dreiwöchiges internationales Jugendcamp in Weißrussland. Deutsche und weißrussische Jugendliche treffen sich, um Begriffe wie Völkerverständigung, Friedens- und Versöhnungsarbeit mit Leben zu füllen. Die Jugendlichen leisten Menschen, die den ersten oder zweiten Weltkrieg überlebt haben, humanitäre Hilfe. In Begleitung von Zeitzeugen gehen sie an historische Plätze wie Massengräber oder Konzentrationslager, um deutsche Geschichte aufzuarbeiten, und halten Kontakt zu Holocaust-Überlebenden. Außerdem findet jedes Jahr ein Rückbesuch der weißrussischen Jugendlichen in Deutschland statt. Die Jugendlichen bauen Barrieren ab und knüpfen Netze der Solidarität. Neue Formen des Miteinanders entstehen. Ein überzeugendes Beispiel für Völkerverständigung im besten Sinne.

 

2004 2. Kinder- u. Jugendpreis der EKvW

Im November 2004 fand eine einwöchige Rückbegegnung zwischen weißrussischen Dolmetschern und Helfern und den Bünder Jugendlichen in Bünde-Dünne statt.
Höhepunkt der Woche war der weiß-russische Kulturabend. Im Rahmen der Veranstaltung wurde der mit 1.000 € dotierte „2. Kinder- u. Jugendprojekt-Preis der ev. Jugend Westfalen“, durch den Vorsitzenden der Jugendkammer der Evangelischen Kirche von Westfalen, Pfr. Udo Bußmann überreicht.

Laudatio: Jurymitglied Carolina Peters
Glückwünsche und Grüße überbrachten unter anderem:
Dr. Helmut Frick
(deutscher Botschafter a.D. (Minsk))
und
Dietrich von Bodelschwingh
(Vorsitzender Heim-statt Tschernobyl e.V)

2003 Förderpreis der Marion Dönhoff-Stiftung an HsT

Das aus christl. Verantwortung gewachsene und zusammengewachsene … Engagement wird von Frauen und Männern aus dem westf. Bünde unter der Leitung von Dietrich und Irmgard v. Bodelschwingh getragen und von ev. Jugendgruppen aus der Bünder Gegend geleistet, die in dreiwöchigen Feriencamps unter der Leitung von Ulrike Jaeger vor Ort leben und arbeiten. … Alles in allem ist Heim-statt Tschernobyl e.V. ein musterhaftes Lehr- und Lernbeispiel für das „Prinzip Verantwortung“, das für alle Beteiligten gültig ist. Die Zuerkennung des ersten Förderpreises der MD-Stiftung soll deshalb nicht nur ein Zeichen der Annerkennung und des Dankes für Sie sein, sondern auch für Ihre Freunde und Schützlinge im fernen Belarus, es soll auch Ermutigung signalisieren und (immer) –grünes Licht geben für das Prinzip Verantwortung.
(Laudatio, Hildegard Hamm-Brücher)

1997 Förderpreis Konziliarer Prozess

Auf Grund des ehrenamtlichen Einsatzes der Jugendlichen im Workcamp und für die persönliche Hilfe, die sie den zumeist Alten und Alleinstehenden zukommen lassen und damit ein Stück gelebter Nächstenliebe und Völkerverständigung praktizieren, erhält Frau Ulrike Jaeger stellvertretend für die Teilnehmer der Jugendworkcamps der Jahre 1996 und 1997 den Förderpreis der evangelischen Kirche von Westfalen in Bielefeld.